#Zuhören. Erfolgreich PR gestalten

11. Bundeskongress Kommunikation Diakonie

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

In einer Zeit auseinander strebender sozialer Milieus wächst die Gefahr für Organisationen, vor allem innerhalb der eigenen Weltanschauung zu kommunizieren und dabei ineffizient zu werden. Diese Selbstbezogenheit potenziert sich durch die Möglichkeiten des Internet, da die sozialen Netzwerke hochrechnen, welche Informationen der User finden möchte. Herausgefiltert wird, was das eigene Selbstbild stört, man nimmt wahr, was dem eigenen Kernzeichenvorrat entspricht.

Wer den Konsens der Gruppe trifft, wird „geteilt“ und „gelikt“ und erhält aus einschlägigen Kreisen Freundschaftsanfragen. Die Community wächst und damit auch die Wahrnehmung, man sei selbst keine Minderheit, sondern eine gesellschaftlich besonders relevante Gruppe. Diese Effekte können sich hochschaukeln bis zur Generierung von verzerrten Grundannahmen, Fake News oder gar Verschwörungstheorien. Die IT spricht hier von Filterblasen-Effekten, die Kommunikationswissenschaft von Echokammern.
Nach Meinung von Kommunikationswissenschaftlern und Soziologen sind wir somit bereits eine in unserem Sozial- und Kommunikationsverhalten tiefgreifend vom Netz geprägte Gesellschaft.

Doch was heißt das für die Kommunikation diakonischer Unternehmen? Absenderorientierte Öffentlichkeitsarbeit ist kein neues Phänomen, ihre Vermeidung mehr denn je eine Alltagsaufgabe – und das nicht nur im Internet. Themen und Botschaften müssen verständlich „übersetzt“, Zielgruppen geprüft und Medienkanäle neu justiert werden. „Gefühlt“ gut zu kommunizieren, reicht allein nicht aus, was zählt, ist ein objektivierendes Fachverständnis. Der Hashtag #Zuhören im diesjährigen Tagungstitel steht dabei nicht nur für die aktuelle Haltungskampagne der Diakonie Deutschland, sondern insbesondere für eine Idee von Kommunikationsarbeit, die auf wirkungsvollen Dialog und nicht auf selbstreferentielle Monologe setzt.

Diesen und ähnlichen Fragen widmet sich der diesjährige Bundeskongress Kommunikation Diakonie mit einem breiten Angebot an Kursen und Vorträgen. Das Programm wird in den kommenden Wochen sukzessive an dieser Stelle freigeschaltet werden, parallel wird die Online-Anmeldung möglich sein.
Wir freuen uns auf die Tagung und das persönliche Zusammenkommen!

Ihr Michael Handrick
im Auftrag der AG Kommunikation diakonischer Unternehmen

 


„Nur wer dazulernt, spielt auf der Höhe der Zeit“

 

Michael Handrick hat als geschäftsführender Referent des Bundeskongresses Kommunikation Diakonie elf Jahre lang dessen Geschicke geprägt. Zum 01.06.2019 verlässt er die Diakonie Deutschland, um Leiter Kommunikation bei einem diakonischen Träger zu werden.
Georg Borngässer, Vorsitzender der AG Kommunikation diakonischer Unternehmen, hat mit ihm gesprochen.

 

Wie ist es, wenn man sich nach so vielen Jahren von einem Projekt wie dem Bundeskongress verabschieden muss, das man so lange geprägt hat?

Der Bundeskongress war in meinem Arbeitsprogramm als Kampagnenreferent der Diakonie Deutschland immer die Kür, nie die Pflicht. Die Zusammenarbeit mit der AG Kommunikation diakonischer Unternehmen habe ich immer als sehr bereichernd empfunden. Es ist ja nicht gerade jedes Gremium im Berufsleben ein Segen. Dieser Vorbereitungskreis hat fachlich immer mit hoher Qualität gearbeitet und Jahr um Jahr ein aktuelles Thema „herausgehauen“ – das hätte keine Agentur besser gelöst. Da war es für mich stets ein dankbarer Job, diese Rahmenvorgaben abzuarbeiten, nach entsprechenden Dozentinnen und Dozenten Ausschau zu halten sowie dem Ganzen jeweils ein redaktionell-konzeptionelles Finish zu geben.

Ist der Bundeskongress in dieser Form noch aktuell?

Natürlich muss man ein solches Produkt immer weiter verbessern, man könnte den Bundeskongress  noch interaktiver organisieren,  beispielsweise über Barcamps oder angedockte Webinare. Das ist meiner Meinung nach aber nicht entscheidend. Wir haben kein großes Zeitfenster, manche Kolleginnen und Kollegen müssen sich bereits für die eineinhalb Tage des gegenwärtigen Formates Urlaub nehmen, da sollte man auf den Punkt kommen.

Der Bundeskongress orientiert sich in seinem Aufbau an den Fortbildungskursen der großen Anbieter der Kommunikationsbranche; über die Jahre gesehen gibt es auch eine hohe Schnittmenge an Dozentinnen und Dozenten sowie von ähnlichen Kursangeboten. Nur sind diese Workshops der zwei, drei großen Institute für viele diakonische Unternehmen schlicht zu teuer. Mit Anreise und Hotelkosten legt man heute für eine solche Fortbildung im Durchschnitt ca. 1000 Euro pro Tag hin. Der Bundeskongress schließt diese Lücke und bietet dabei nicht nur eine Veranstaltung an, sondern immer sieben bis acht insgesamt!

Welche Rolle spielt Fortbildung in der Kommunikationsbranche?

Im Zeitalter der Integrierten Kommunikation wird permanente Fortbildung immer wichtiger, weil ständig neue Medien, Arbeitsfelder und Techniken hinzukommen und veränderte Strategiehorizonte eröffnen. Die Belastung wächst und damit auch der Bedarf an Selbstmanagement-Techniken. Nicht zu unterschätzen ist in dieser Hinsicht übrigens auch der kollegiale Austausch – das Mitbekommen von Best Practice, das Erden von reinem Fachwissen. Diese Kombination von Wissenstransfer und bodenständigem diakonischem Erfahrungsaustausch macht es aus. Nur wer dazulernt, spielt auf der Höhe der Zeit.

 


 

„Tendenzen aufgreifen, Handwerk pflegen“

Georg Borngässer ist der Vorsitzende der AG Kommunikation diakonischer Unternehmen, die den Bundeskongress gemeinsam mit der Diakonie Deutschland veranstaltet. Der gelernte Diakon leitet die Unternehmenskommunikation der Rummelsberger Diakonie in Bayern.

Georg Borngässer, Leiter Kommunikation Rummelsberger Diakonie

 

10 Jahre Bundeskongress Kommunikation Diakonie – wie hat das alles begonnen?

Der Vorläufer des Kongresses war sehr viel kleiner und noch ein wenig „hausgemacht“. Die Mitglieder der AG Diakonische Unternehmen haben seinerzeit davon geträumt, dass diakonische Kommunikation einen „echten“ Kongress bekommt. Das haben wir im Laufe der Zeit erreicht. In den vergangenen Jahren kamen mehr und mehr namhafte Referentinnen und Referenten – und was noch wichtiger ist, viele Kolleginnen und Kollegen, die sich bilden und vernetzen wollen. Die Tagung bietet heute professionelle Fortbildung zum kleinen Preis und muss sich vor ähnlichen Veranstaltungen am freien Markt nicht verstecken. Wir versuchen immer, die neuesten Tendenzen der Fachwissenschaft aufzugreifen und ein Forum zu sein, auf dem man sich kollegial austauscht. Gleichzeitig wollen wir gutes Handwerk pflegen. Die Mischung macht es.

 

Welche Bedeutung gewinnt Fortbildung speziell für diakonische Unternehmen und Verbände?

Der ehemalige Online-Chefredakteur der Financial Times Deutschland, Peter Berger, hat auf einem der letzten Kongresse gesagt, es sei davon auszugehen, dass wir künftig immer mehr Mittel für unsere Arbeit bräuchten, gleichzeitig aber der Effekt unseres Tuns immer weniger werden wird. Eine Aussage, die sicher etwas für sich hat, wenn wir davon ausgehen, wie viele verschiedenen Kanäle wir schon bedienen und welche noch dazu kommen mögen. Und genau da hat der Kongress den Anspruch, Mut dazu zu machen, zu unterscheiden, wo setze ich die Ressourcen ein, die ich habe und wo nicht. Wir wissen, dass der Kongress für viele Kolleginnen und Kollegen die einzige Möglichkeit im Jahr ist, sich selbst fortzubilden und sich zu „empowern“. Da unterscheiden sich die Ansprüche diakonischer Unternehmen nicht von denen der Verbände.

 

Was war Ihr persönliches Highlight?

Mein persönliches Highlight ist es immer, die Spannung und Erwartung der Ankommenden am ersten Veranstaltungstag zu spüren, wenn unheimlich viel Energie in der Luft liegt, alle gespannt sind auf den Kongress, sich freuen auf das Neue, die Impulse, das Zusammenkommen und den Austausch. Es ist toll zu sehen, wie sich die gesamte diakonische Kommunikationsgemeinde für den Erfolg einbringt. Stolz bin ich natürlich auch darauf, dass wir in den letzten Jahren kontinuierlich Top-Fachleute gewinnen konnten, die in der Kommunikationszene Rang und Namen haben. Und gerade von diesen herausragenden Expertinnen und Experten bekommen wir sehr schöne Rückmeldungen für „unseren“ Bundeskongress. Sie wollen wiederkommen und bescheinigen uns das ein oder andere Mal, dass Diakonie sich mit ihrer professionellen Kommunikation nicht zu verstecken braucht. Ich freue mich auf die nächsten zehn Jahre!

 


 

10 Jahre Bundeskongress Kommunikation Diakonie

Zehn Jahre ist es her, dass die AG Kommunikation diakonischer Unternehmen  zusammen mit der Diakonie Deutschland die Idee eines verbandsinternen Fortbildungs- und Vernetzungskongresses geboren haben. Diese Idee hat sich als eine gemeinsame Erfolgsgeschichte erfreulich weiterentwickelt, heute ist der Bundeskongress Kommunikation Diakonie aus dem Jahreskalender vieler diakonischer Kommunikationsfachleute nicht mehr wegzudenken.

Vom ersten Tag an hat sich der Bundeskongress auch mit dem Epochenthema der Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die PR-Arbeit befasst. Als ein aktueller Gradmesser dieser Entwicklung gilt das Internet 4.0. Der Begriff steht für eine zunehmend intelligentere Vernetzung von Computern, Anlagen, Menschen und Wertschöpfung. Ist dieser technische 4.0-Begriff auf die Unternehmenskommunikation überhaupt übertragbar? Gehören zur Kommunikation nicht unbedingt auch noch Kreativität, Fingerspitzengefühl und politisches Verständnis, also der Mensch, dazu? Wo Abläufe insgesamt it-basierter, schneller und ökonomischer werden, geht es um Prozessgestaltung und Vernetzung, letztlich um die Frage einer zeitgemäßen Aufbau- und Ablauforganisation. Es geht um weiterentwickelte Arbeitstechniken und Fertigkeiten und selbstverständlich am Ende immer um den Menschen, der „nicht nicht kommunzieren kann“. Darum muss bei allen anstehenden Überlegungen und Weiterentwicklungen der Bezug zum diakonischen Menschen- und Wertebild stets leitend sein, unter neuen Bedingungen allerdings auch neu bedacht werden.

 

Digitalisierung und diakonischer Kommunikationsalltag

Welche aktuellen Trends der Digitalisierung bei diesen Reflektionen zu berücksichtigen sind und im diakonischen Kommunikationsalltag heute und in Zukunft eine Rolle spielen können, das ist die spannende Frage, die beim diesjährigen Kongress im Mittelpunkt steht. Nutzen Sie die Chance zum Austausch, die sich Ihnen mit dem diesjährigen facettenreichen Programm bietet. Sie sind eingeladen neue fachliche Impulse mitzunehmen, mitzudiskutieren, diese Tagung mitzugestalten und wertvolle diakonische Netzwerke zu pflegen.

Dazu lade ich Sie herzlich ein, ich danke allen, die sich auch in diesem Jahr so engagiert an der Vorbereitung  beteiligt haben und wünsche Ihnen einen erfolgreichen Jubiläumskongress.

 

Ihr Pfarrer Ulrich Lilie

Präsident der Diakonie Deutschland